Kartellverdacht gegen Japans vier große Brauereien: Wettbewerbsbehörde führt Razzien durch
Japans Wettbewerbsbehörde JFTC hat Asahi, Kirin, Suntory und Sapporo wegen mutmaßlich über Jahre abgestimmter Lieferpreise durchsucht und erwägt eine Strafanzeige.
Am 7. Oktober hat die Japan Fair Trade Commission (JFTC, Japans Wettbewerbsbehörde) die vier großen Brauereien Asahi Breweries, Kirin Brewery, Suntory und Sapporo Breweries zwangsweise durchsucht. Der Verdacht lautet auf Verstoß gegen das Antimonopolgesetz (unzulässige Wettbewerbsbeschränkung). Die Nachrichtenagentur Jiji Press berichtete unter Berufung auf Beteiligte darüber und meldete, die JFTC erwäge auch eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft. Der japanische Biermarkt wird nahezu vollständig von diesen vier Unternehmen beherrscht, weshalb nun auch die Struktur der Branche in den Blick rückt.
Verdacht: Preiserhöhungen im Gleichschritt

Laut den Berichten stehen die vier Unternehmen im Verdacht, die Lieferpreise für Bier an Großhändler über mehrere Jahre hinweg abgestimmt zu haben. Betroffen ist nicht nur Bier. Auch „Happoshu“ (schäumende alkoholische Getränke mit geringem Malzanteil) und das „dritte Bier“ (Getränke, die unter anderem aus anderen Rohstoffen als Malz hergestellt werden, um die Steuerlast zu senken) gehören dazu. Beides sind typisch japanische Kategorien, die aus dem japanischen Alkoholsteuersystem hervorgegangen sind. Vertriebsleiter der Unternehmen haben möglicherweise Informationen über den Zeitpunkt und das Ausmaß von Preiserhöhungen ausgetauscht. Dazu sollen sie sich im Rahmen der Aktivitäten eines Branchenverbands regelmäßig in einer Runde namens „Ichimokukai“ getroffen haben.
Möglicherweise ein Strafverfahren
Die Untersuchung stützt sich auf die „strafrechtlichen Ermittlungsbefugnisse“ der JFTC. Es handelt sich um weitreichende Befugnisse, mit denen Beweise im Hinblick auf eine Strafanzeige gesammelt werden, statt es bei einer Verwaltungsmaßnahme zu belassen. Die JFTC setzt sie zum ersten Mal seit dem Kartellfall um Dieselkraftstoff im September des Vorjahres ein. Auf einer Pressekonferenz am 7. Oktober erklärte JFTC-Generalsekretär Hiroo Iwanari, Preiserhöhungen, die etwa mit gestiegenen Rohstoffkosten begründet werden, seien an sich kein Problem. Er betonte jedoch, dass jedes Unternehmen seine Preise unabhängig festlegen müsse.
Der Biermarkt wird auf rund 1 Billion Yen geschätzt, der Markt für Happoshu auf rund 400 Milliarden Yen. Wird ein Kartell festgestellt, wird auf Grundlage der Umsätze im betreffenden Zeitraum ein Bußgeld (eine verwaltungsrechtliche Geldsanktion) berechnet, das angesichts der Marktgröße sehr hoch ausfallen könnte. Alle vier Unternehmen haben erklärt, bei der Untersuchung der JFTC uneingeschränkt zu kooperieren.
Was europäische Leserinnen und Leser beachten sollten

Der Verdacht betrifft Großhandelspreise innerhalb Japans und ist derzeit noch keine festgestellte Tatsache. Entscheidend ist nun, ob die JFTC tatsächlich Strafanzeige erstattet und wie hoch das Bußgeld ausfallen könnte. Wer japanisches Bier trinkt, sollte wissen, dass die Unterscheidung zwischen „Bier“, „Happoshu“ und „drittem Bier“ auf das japanische Steuersystem zurückgeht; so lassen sich auch die Geschmacksunterschiede besser nachvollziehen. Da das Oligopol der vier Großen erneut im Fokus steht, lohnt es sich, auch einmal auf japanisches Craft-Bier und den Sake kleiner Brauereien zu schauen. Vielleicht zeigt sich die Vielfalt japanischer Getränke dadurch noch plastischer.
Quellen
Dieser Beitrag wurde von der Redaktion von The Sake Wire auf Grundlage der oben genannten öffentlichen Quellen verfasst. Die Bilder stammen von uns.
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