Ishinomakis erstes Weingut entsteht auf dem Gelände einer stillgelegten Schule – Ziel: 5000 Flaschen
In Ishinomaki (Miyagi) startet ein Weingut auf einem alten Schulgelände seinen ersten Jahrgang – Ziel: 5000 Flaschen Rot-, Weiß- und Orangewein.

Ishinomaki an der Pazifikküste der Präfektur Miyagi im Nordosten Japans ist eine Hafenstadt, die vom Großen Ostjapanischen Erdbeben 2011 schwer getroffen wurde. Laut der Lokalzeitung Kahoku Shimpo hat im Stadtteil Ogatsu bei Moriumiasu Marine & Food, einer Anlage auf dem Gelände der ehemaligen Ogatsu-Mittelschule, die erste Weinherstellung begonnen. Der Komplex vereint ein Weingut und ein Café; es ist das erste Weingut in Ishinomaki überhaupt. In dieser Saison sollen insgesamt 5000 Flaschen in drei Typen entstehen: Rot-, Weiß- und Orangewein.
Trauben aus der Nachbarpräfektur und wilde Hefen
Die Trauben stammen aus der Präfektur Yamagata südwestlich von Miyagi, die als eine der führenden Obstregionen Japans gilt. Die Arbeit begann Ende August; zum Zeitpunkt des Berichts waren zwei Produkte aus Delaware und Seyval angesetzt, ein Weißwein und ein Orangewein. Delaware ist eine kleinbeerige, hell rotviolette Traube, die in Japan seit Langem auch als Tafeltraube geschätzt wird. Seyval ist eine französische Kreuzungssorte, die kälteresistent ist und deshalb auch in Japans kühleren Anbaugebieten wächst. Beide sind in den europäischen Weinregionen kaum bekannt und gelten als eine der Quellen für den eigenständigen Charakter japanischer Weine.
Entrappt, gepresst und im Tank vergoren

Zunächst werden die Trauben entrappt, also von den Stielen befreit, und gepresst. Der Saft durchläuft dann im Tank die erste Gärung mit wilden Hefen, die von Natur aus auf den Trauben und in der Umgebung vorkommen; Reinzuchthefe wird nicht zugesetzt. Mit wilden Hefen sind Gärgeschwindigkeit und Aromaentwicklung schwerer vorhersehbar, dafür kommt leichter ein Geschmack zum Vorschein, der typisch für den Ort und den Jahrgang ist. Dass man sich schon im ersten Jahr für diese Methode entschieden hat, zeigt den Willen, mit handwerklicher Arbeit im kleinen Maßstab Charakter zu schaffen.
So genießt man ihn in Europa
Bei nur 5000 Flaschen im ersten Jahr ist es unwahrscheinlich, dass die Weine dieses Weinguts bald Europa erreichen. Dennoch gibt die Geschichte einen Hinweis darauf, wo japanischer Wein heute steht. Wer in Europa ein Fachgeschäft oder Restaurant mit japanischen Weinen findet, sollte auf die Rebsortennamen „Delaware“ und „Seyval“ auf dem Etikett achten. Vielleicht entdeckt man einen leichten, fruchtbetonten Stil, der sich von europäischen Weinen unterscheidet. Liebhaber von Orangewein können gezielt nach einem japanischen suchen und ihn zu Meeresfrüchten oder zu Gerichten der japanischen Küche mit Dashi probieren. Wer weiß, dass in einer vom Erdbeben gezeichneten Küstenstadt eine stillgelegte Schule zu einer neuen Kellerei wurde, trinkt sein Glas vielleicht mit noch mehr Hintergrund.
Quellen
Dieser Beitrag wurde von der Redaktion von The Sake Wire auf Grundlage der oben genannten öffentlichen Quellen verfasst. Die Bilder stammen von uns.
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