Japanischer unabhängiger Abfüller bringt zwei Fässer heraus: Tunnelreifung und geröstete Gerste
Der Tokioter unabhängige Abfüller Cask & Forest hat am 29. September zwei Single Casks der Nagahama Distillery in Shiga und der Hishida Distillery in Kagoshima veröffentlicht.

Cask & Forest (CASK & FOREST), im April 2025 in Tokio gegründet, ist ein unabhängiger Abfüller, der bei Brennereien in ganz Japan Destillat fassweise einkauft und selbst abfüllt. Im Scotch ist das ein gängiges Geschäftsmodell, in Japan dagegen noch neu. Die beiden neuesten Abfüllungen der Einzelfass-Reihe THE NATIVE CASK kamen am 29. September 2026 im offiziellen Onlineshop des Unternehmens auf den Markt.
Nagahama Distillery: getorfter Malt, gereift im Tunnel einer stillgelegten Nationalstraße

Die Nagahama Distillery liegt am Ufer des Biwa-Sees, des größten Sees Japans, in Nagahama in der Präfektur Shiga. Sie bezeichnet sich als “kleinste Brennerei Japans” und feiert bald ihr zehnjähriges Bestehen. Für “#3.2 Heavily Peated” wurde Malz aus der schottischen Gerstensorte Laureate verwendet, stark mit Torf geräuchert. Der Whisky wurde 2022 destilliert, in einem First-Fill-Bourbonfass gereift und 2026 ohne Wasserzugabe abgefüllt. Gereift wurde er in einem mehr als 300 Meter langen Tunnel einer stillgelegten Nationalstraße. Die Temperatur schwankt das ganze Jahr über kaum, und laut der Brennerei verdunstet während der Reifung weniger (der Angel’s Share). Die Verkostungsnotizen beschreiben einen würzigen Rauch, der an gesalzenen, gegrillten Fisch erinnert, unmittelbar gefolgt von Malzsüße. Der Preis beträgt 18.700 Yen (inklusive Steuern).
Hishida Distillery: Grain-Whisky aus geröstetter Gerste für Shochu
Tensei Shuzo auf der Osumi-Halbinsel in der Präfektur Kagoshima ist eine 1901 gegründete Shochu-Brennerei. Shochu ist ein traditioneller japanischer Brand, und das Unternehmen verwendet für seinen Gersten-Shochu geröstete Gerste. 2022 nahm es die Hishida Distillery in Betrieb, die sowohl Malt- als auch Grain-Whisky herstellen kann. Als man diese geröstete Gerste, “Chocolate Barley”, auch für Whisky einsetzte, blieb nach der Destillation Berichten zufolge ein röstiges Aroma wie von schokolierten Gerstensnacks (Mugi Choco) erhalten. “#4 Roasted Barley Grain Whisky” besteht hauptsächlich aus japanischer Gerste und wurde mit deutschem Malz gemaischt. Er wurde 2023 destilliert und drei Jahre in Bourbonfässern gereift. Auf Aromen von Vanille, Honig und Birne folgen roggenartige Würze und ein Nachklang von verbrannter Gerste. Der Preis beträgt 8.800 Yen (inklusive Steuern).
Ein neuer Abfüller mit Blick auf Wald und Fass
Laut Mamoru Tsuchiya vom Whisky Culture Research Institute sind etwa 70 Prozent der Landesfläche Japans bewaldet. Cask & Forest will nach eigener Aussage im Einklang mit dieser Waldressource wirken: Es arbeitet mit Forstgenossenschaften und Fassherstellern im ganzen Land zusammen, um typisch japanisches Fassholz zu finden, und baut zudem ein eigenes Reifelager auf. THE NATIVE CASK gilt als erste Stufe dieses Vorhabens.
Vorerst werden die Abfüllungen nur im offiziellen japanischen Onlineshop verkauft; zum Versand ins Ausland wurde nichts bekanntgegeben. Dennoch lohnt es sich, sich die Namen Nagahama und Hishida zu merken. Wer in einem europäischen Fachgeschäft Flaschen einer der beiden Brennereien sieht, sollte auf die Unterschiede in Aroma und Geschmack achten. Auch ein Vergleich des Grain-Whiskys aus gerösteter Gerste mit schottischem Grain-Whisky dürfte reizvoll sein.
Quellen
Dieser Beitrag wurde von der Redaktion von The Sake Wire auf Grundlage der oben genannten öffentlichen Quellen verfasst. Die Bilder stammen von uns.
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