US-Saké-Händler Tippsy benennt sich in Palate Project um und setzt auf Direktimport
Der US-amerikanische Online-Saké-Händler Tippsy hat Firmen- und Markennamen geändert und auf ein Modell mit eigenem Import und Direktvertrieb umgestellt, das Saké direkt von der Brauerei zum Verbrauch

Tippsy, Inc., ein Unternehmen aus Los Angeles, das rund 600 Sorten Saké online verkauft hat, hat am 30. April 2026 seinen Firmennamen in Palate Holdings Inc. und den Dienstnamen in Palate Project geändert. Es handelt sich um mehr als eine bloße Umbenennung. Bisher war es ein Onlinehandel, der in den USA eingekaufte Ware verkaufte; künftig arbeitet das Unternehmen als DTC-Importeur (Direct-to-Consumer, Direktvertrieb ohne Zwischenhändler), der selbst aus Japan importiert und direkt an US-Verbraucher verkauft.
Die Nachfrage ist da. Das Problem sind die Vertriebsstufen

Seit der Gründung 2018 hat das Unternehmen nach eigener Darstellung US-Verbrauchern Saké mit sorgfältiger Kommunikation nähergebracht und gezeigt, dass es eine echte Nachfrage gibt. Als Wachstumshindernis nennt es die für die USA typische mehrstufige Vertriebsstruktur. Komplexe Alkoholvorschriften und die Dominanz einiger weniger Großkonzerne führen dazu, dass zwischen Brauerei und Verbraucher mehrere Zwischenhandelsstufen liegen. Nach Einschätzung des Unternehmens summieren sich dadurch die Margen und treiben die Ladenpreise nach oben, während längere Transport- und Lagerzeiten die Qualität leichter beeinträchtigen. In den USA ist die japanische Küche rasch beliebter geworden, der Saké-Markt ist jedoch nur begrenzt gewachsen.
Ein durchgängiges System mit der Kokubu Group
Als Lösung hat das Unternehmen eine eigene Importfunktion aufgebaut. Zudem arbeitet es mit der Kokubu Group Corp. zusammen, einem großen japanischen Großhändler für Alkohol und Lebensmittel, der 2025 investiert hat, und bezieht über dessen inländisches Vertriebsnetz Saké von Brauereien in ganz Japan. Dieses „vertikal integrierte“ System steuert alles vom Einkauf in Japan bis zum Verkauf in den USA in einem Unternehmen; der Verkauf selbst importierter Ware hat bereits begonnen. Das Unternehmen will das Sortiment selbst importierter Produkte ausbauen und Saké zu erschwinglichen Preisen für den täglichen Genuss anbieten. Außerdem will es „Fresh from Brewery“ starten, einen vollständig gekühlten Dienst mit Lieferung am selben Tag, spezialisiert auf Namazake (nicht pasteurisierten, nicht erhitzten Saké, der unbedingt gekühlt werden muss). CEO Genki Ito bezeichnet die Tippsy-Jahre, in denen die Nachfrage bewiesen wurde, als „erstes Kapitel“ und den jetzigen Aufbau einer eigenen Vertriebsinfrastruktur als „zweites Kapitel“. Der neue Slogan lautet „The Taste of Sake Transcends Cultures“.
Für Leserinnen und Leser in Europa

Das Problem, dass die Zahl der Vertriebsstufen Preis und Frische bestimmt, gilt genauso beim Saké-Kauf in Europa. Prüfen Sie bei der Auswahl einer Flasche, wer der Importeur ist, ob sie gekühlt aus Japan transportiert wurde und wann sie hergestellt wurde. Besonders bei Namazake zeigen sich Unterschiede in der Temperaturführung unmittelbar im Geschmack. Gekühlt gelieferte Flaschen können ein frisches Aroma und eine leichte Perlage bieten. Wie weit diese US-Initiative Preis und Qualität verändern kann, dürfte auch für die künftige Saké-Distribution in Europa aufschlussreich sein.
Quellen
Dieser Beitrag wurde von der Redaktion von The Sake Wire auf Grundlage der oben genannten öffentlichen Quellen verfasst. Die Bilder stammen von uns.
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