Die Brennerei hinter dem Sudachi-Shochu wagt sich an Shikokus ersten Whisky
Nisshin Shurui aus Tokushima erzählt, wie der Dauerbrenner Sudachi-Shochu entstand und warum man mit Awano Shikokus ersten japanischen Whisky auf den Markt bringt.
Yasuhito Maeda, Präsident des Getränkeherstellers Nisshin Shurui aus der Präfektur Tokushima auf der japanischen Insel Shikoku, hat in einer japanischen Radiosendung über die Geschichte seines Unternehmens gesprochen. Warum wagt sich eine Brennerei, die seit über 40 Jahren ein Standardgetränk aus einheimischen Zitrusfrüchten pflegt, jetzt an Whisky? Seine Erzählung zeigt anschaulich, welche Zweifel und Entscheidungen einen regionalen Hersteller begleiten, wenn er ein neues Feld betritt.
Sudachi-Shochu, entstanden in einer Zitrusregion
Nisshin Shurui geht auf Maeda Shuzo zurück, eine Brauerei, die seit etwa 1857, dem Ende der Edo-Zeit, Sake herstellt. Nach dem Krieg gründete Maedas Großvater ein neues Unternehmen, um sich auch anderen Getränken als Sake zu widmen. Heute umfasst das Sortiment, unterschiedliche Größen eingerechnet, etwa 100 bis 200 Produkte, darunter Sake, Shochu, Liköre und Fruchtweine.
Der Wendepunkt war der 1985 eingeführte Sudachi-Shochu. Die Sudachi ist eine kleine grüne Zitrusfrucht, die für Tokushima typisch ist und eine ähnlich scharfe Säure und ein ähnliches Aroma wie die Limette hat. Damals wurde der Import von Orangen liberalisiert, und man suchte nach einer Zitrusfrucht als Ersatz für die Mandarine. Die Präfektur engagierte sich stark für die Vermarktung der Sudachi, und im selben Jahr wurde die Onaruto-Brücke eröffnet, die Honshu und Shikoku verbindet. Das gab zusätzlichen Rückenwind, und die Entwicklung eines Souvenirs, das Tokushima repräsentieren konnte, kam rasch voran.
Das Standardprodukt bleibt, neue Geschmacksrichtungen erscheinen separat
Laut Maeda wurde der Sudachi-Shochu im Lauf der Zeit in Kleinigkeiten angepasst, im Kern aber ist sein Geschmack derselbe wie bei der Markteinführung. Will das Unternehmen den Geschmack verändern, lautet die Linie, das Standardprodukt unangetastet zu lassen und das Ergebnis als neues Produkt herauszubringen. Ein Beispiel ist der Super Sudachi Shochu, der kräftiger im Geschmack ist, sodass das Sudachi-Aroma auch mit Sodawasser oder aromatisierter Limonade gemischt deutlich erhalten bleibt.
Whisky nach langem Zögern: Awano
Nisshin Shurui erhielt um 1960 eine Lizenz zur Whiskyherstellung, begann bei den westlichen Spirituosen aber mit Gin, bei dem sich Zutaten aus Tokushima leichter verwenden lassen. Whisky erfordert hohe Investitionen in die Anlagen, und es braucht auch Fachleute, die den von Fass zu Fass wechselnden Geschmack beurteilen und zu einem fertigen Produkt formen. Maeda sagt, er habe 10 bis 20 Jahre lang gegrübelt, ob das wirklich machbar sei.
Den Ausschlag gab die Corona-Pandemie. Er hatte Zeit zum gründlichen Nachdenken, und da im ganzen Land immer neue Brennereien entstanden, entschied er, dass Shikoku keine Chance mehr haben würde, wenn er jetzt nicht handle. Vor einigen Jahren hat die japanische Whiskybranche einen freiwilligen Standard eingeführt: Um sich “Japanese Whisky” nennen zu dürfen, muss ein Whisky ausschließlich aus inländischen Rohstoffen hergestellt und in Japan mindestens drei Jahre in Holzfässern gereift sein. Awano ist das erste Produkt, das aus dieser Entwicklung hervorgegangen ist.
Wer diese Geschichte in Europa genießen möchte, achtet zunächst auf das Aroma der Sudachi. Probieren Sie ein mit Sodawasser aufgespritztes Sudachi-Getränk anstelle von Limette oder Yuzu zu Fisch und Meeresfrüchten oder Frittiertem, dann spüren Sie die scharfe Säure. Bei der Wahl eines japanischen Whiskys lohnt auch ein Blick darauf, ob die Flasche die Kennzeichnung “Japanese Whisky” nach dem Branchenstandard trägt. Wer nicht nur auf die großen Marken schaut, sondern auch auf neue Flaschen traditionsreicher regionaler Hersteller wie Awano, erkennt, wie breit der japanische Whisky inzwischen aufgestellt ist.
Quellen
Dieser Beitrag wurde von der Redaktion von The Sake Wire auf Grundlage der oben genannten öffentlichen Quellen verfasst. Die Bilder stammen von uns.
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