The Sake Wire

Tankyu Distillery in Hokkaido bringt ersten New Pot in limitierter Auflage heraus

Die neue Tankyu Distillery in Higashikawa, Hokkaido, hat ihren ersten New Pot für Single Malt in limitierter Auflage von 1.500 Flaschen veröffentlicht und zugleich ein Fassprogramm eröffnet.

Single Malt New Pot, 120 ml, von der Tankyu Distillery als erster Spirit veröffentlicht
Single Malt New Pot, 120 ml, von der Tankyu Distillery als erster Spirit veröffentlicht — Bild: PR TIMES(丹丘蒸留所) (Pressemitteilung)

Die Tankyu Distillery, die im August 2025 in Higashikawa in Zentral-Hokkaido eröffnet wurde, hat „Single Malt New Pot“ herausgebracht, den ersten für Single-Malt-Whisky hergestellten Spirit. New Pot (New Make) ist frisch destillierter, farbloser Spirit, der noch nicht im Fass gereift ist. Da noch kein Holzaroma hinzugekommen ist, tritt der durch Rohstoffe und Verfahren geprägte Charakter der Brennerei unverfälscht hervor. Die Flasche fasst 120 ml bei 63 % Vol., ist auf 1.500 Flaschen für den japanischen Markt limitiert und kostet 2.970 Yen (inklusive Steuer).

Wasser vom Asahidake, Maischefilter und 168 Stunden Gärung

Higashikawa liegt am Fuß des Daisetsuzan-Nationalparks. Die Gemeinde ist ungewöhnlich, denn es gibt keine öffentliche Wasserversorgung: Der ganze Ort lebt vom Grundwasser, das vom Asahidake herabfließt. Die Brennerei verwendet dieses Wasser für alles, vom Maischen bis zum Wasser zur Einstellung der Trinkstärke. Als Rohstoff dient zu 100 % britisches Malz aus traditioneller Bodenmälzerei, bei der das Korn zum Keimen auf dem Boden ausgebreitet wird. Zum Maischen setzt die Brennerei einen Maischefilter ein, der in der Whiskyherstellung weltweit selten ist und dazu dient, die Bestandteile des Malzes effizient herauszulösen und eine konzentrierte Würze zu gewinnen. Die Gärung dauert insgesamt 168 Stunden in Edelstahltanks und Holzbottichen und bringt Aromen hervor, die an Trauben erinnern. Laut den Verkostungsnotizen der Brennerei duftet der Spirit nach gebackenem Brot, Käsecrackern und Blütennektar. Am Gaumen zeigen sich fruchtige Süße mit milder Säure, eine Cremigkeit wie Milcheis und eine dichte, ölige Textur mit einem leichten Hauch von Algen. Im Abgang folgen Glühwein, getrocknete Pflaume und Gewürznelke.

Ein aus Taiwan stammender Chefdestillateur, ausgebildet in Schottland

Chefdestillateur Da-Wei Hsieh (David) der Tankyu Distillery
Chefdestillateur Da-Wei Hsieh (David) der Tankyu Distillery — Bild: PR TIMES(丹丘蒸留所) (Pressemitteilung)

Die Produktion leitet der aus Taiwan stammende Chefdestillateur Da-Wei Hsieh (genannt David). Er lernte sein Handwerk in der Edradour Distillery in den schottischen Highlands und war danach Master Blender in einer Brennerei in Speyside. Bekannt ist er auch als Host von „whisky4pro“, einem beliebten Whisky-Podcast in Taiwan. David sagt, jede Entscheidung bei der Herstellung des New Pot sei mit Blick auf den künftigen Single Malt getroffen worden, und dieses Glas zeige unmittelbar, in welche Richtung die Brennerei will.

Ein ganzes Fass besitzen: das Private Cask Program 2026

Holzfässer, die für das Private Cask Program bereitstehen
Holzfässer, die für das Private Cask Program bereitstehen — Bild: PR TIMES(丹丘蒸留所) (Pressemitteilung)

Zugleich hat die Brennerei die Anmeldung für ein Programm geöffnet, bei dem man Spirit fassweise kauft und nach der Reifung als eigene Abfüllung erhält. Der Spirit wird aus ungetorftem schottischem Malz (Malz ohne Rauchigkeit) hergestellt. Zur Wahl stehen vier Fasstypen: ein 220-Liter-Fass aus Mizunara, japanischer Eiche aus der Präfektur Toyama mit über 200 Jahren Alter (4,25 Millionen Yen ohne Steuer, inklusive acht Jahren Lagergebühren); ein 220-Liter-Fass, in dem 18 Jahre lang Oloroso- oder Pedro-Ximénez-Sherry lag (2,25 Millionen Yen); ein 200-Liter-Bourbonfass (1,38 Millionen Yen); und ein kleines 55-Liter-Sherryfass (448.000 Yen). Bei den drei Typen außer Mizunara sind drei Jahre Lagergebühren enthalten. Beratung ist per Zoom, Telefon oder persönlich möglich, auf Japanisch, Englisch und Chinesisch. Die Brennerei ist zudem ein in Japan seltenes Beispiel für ein „öffentlich gegründetes, privat betriebenes“ Modell: Die Gemeinde war an der Gründung beteiligt, ein privates Unternehmen betreibt sie.

In Europa dürfte dieser New Pot schwer zu bekommen sein. Dennoch ist er als Beispiel dafür beachtenswert, dass eine Brennerei ihre Überlegungen anhand von noch ungereiftem Spirit offenlegt, während in Japan nach und nach neue Brennereien entstehen. Wer ihn neben dem New Make neuer Brennereien in Schottland und anderswo probieren kann, erkennt leichter, wie sich Gärzeit und Malzunterschiede im Aroma niederschlagen. Wenn in einigen Jahren der erste Single Malt von Tankyu erscheint, lohnt es sich zu beobachten, wie sich die Trauben- und Tropenfruchtaromen durch die Reifung verändern. Das Private Cask Program, über das sich auf Englisch beraten lässt, ist eine Möglichkeit für Menschen aus Europa, unmittelbar an der japanischen Whiskyherstellung teilzuhaben.

Quellen

Dieser Beitrag wurde von der Redaktion von The Sake Wire auf Grundlage der oben genannten öffentlichen Quellen verfasst. Die Bilder stammen von uns.

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